Compliance & White Collar Crime

When the public prosecutor comes knocking, does your communication with your attorney remain privileged?

In a recent statement, Austria’s public prosecution authority expressed its opinion on the legitimacy of accessing the correspondence between attorneys and their clients.

The attorney-client privilege — a fundamental right

Art 6 Sec 3 Para c ECHR stip­u­lates the fun­da­men­tal right of every defen­dant charged with a crim­i­nal offence to defend him- or her­self in per­son or through legal assis­tance. The defendant’s abil­i­ty to com­mu­ni­cate open­ly and with­out restric­tions about the case with his or her attor­ney is an indis­pen­si­ble pre­req­ui­site to effi­cient­ly exe­cute this right. The ECHR’s rul­ings have con­sis­tent­ly acknowl­edged this priv­i­leged rela­tion­ship between an attor­ney and his client.

In Aus­tri­an crim­i­nal law, this fun­da­men­tal right is spec­i­fied through Art 157 Sec 1 Para 2 and Art 157 Sec 2 of the Aus­tri­an Code of Crim­i­nal Pro­ce­dure (ACCP): All attor­neys have the right to refuse tes­ti­mo­ny as wit­ness­es about all infor­ma­tion that was dis­closed to them in their func­tion as the defendant’s coun­sel. Thus, the refusal right cov­ers infor­ma­tion that was dis­closed to the attor­ney in his or her func­tion as coun­sel of the defen­dant (i) by his or her client, (ii) by a third par­ty, (iii) or in any oth­er way.

Fur­ther, in order to avoid an under­min­ing of this fun­da­men­tal refusal right, Art 144 and 157 Sec 2 ACCP pro­hibits any kind of cir­cum­ven­tion of this refusal right, eg by con­fis­cat­ing the attorney’s doc­u­men­ta­tion, data stor­age medi­ums, or notes about the man­date, or by ques­tion­ing the attorney’s employ­ees. Evi­dence obtained in vio­la­tion of Art 144 and 157 Sec 2 ACCP is void by law.

A fundamental right for attorney’s only? 

How­ev­er, unlike in Ger­many, Austria’s pub­lic pros­e­cu­tion author­i­ties opine that Art 144 and 157 ACCP apply only to attor­neys (and oth­er per­son sub­ject to pro­fes­sion­al con­fi­den­tial­i­ty). In oth­er words, the defen­dant him- or her­self or third par­ties are not pro­tect­ed by Art 144 and 157 Sec 2 ACCP. Con­se­quent­ly, cor­re­spon­dence that is being kept out­side the attorney’s office or accom­mo­da­tion, eg in the records of the com­pa­ny in which the defen­dant is work­ing or in the defendant’s pri­vate email account, may be legal­ly accessed and con­fis­cat­ed by the pros­e­cu­tion author­i­ties.

Austria’s pub­lic pros­e­cu­tion author­i­ties have even gone so far as to argue that a defen­dant may not invoke Art 8 ECHR, which pro­vides a right to respect one’s cor­re­spon­dence, to fend off the con­fis­ca­tion the mutu­al com­mu­ni­ca­tion. The author­i­ties argue that the rights grant­ed in Art 8 ECHR are sub­ject to restric­tions that are in accor­dance with the law and “nec­es­sary in a demo­c­ra­t­ic soci­ety”.

This opin­ion of the Aus­tri­an pub­lic pros­e­cu­tion author­i­ties did not remain unchal­lenged. Notable schol­ars fol­low the Ger­man doc­trine, which calls for an exten­sive inter­pre­ta­tion regard­ing the inde­fea­si­bil­i­ty of com­mu­ni­ca­tion between the defen­dant and his or her attor­ney. The Ger­man courts rule for an absolute pro­hi­bi­tion against the con­fis­ca­tion of doc­u­ments nec­es­sary for the defence (includ­ing the defendant’s own doc­u­ments and doc­u­ments to arrange the attorney’s engage­ment), regard­less in whoever’s pos­ses­sion these doc­u­ments are (includ­ing third par­ties) or where they are stored.

Conclusion and Outlook 

It remains to be seen, whether the crit­ics of the pub­lic pros­e­cu­tion author­i­ties will be heard by the courts. Cur­rent­ly a defendant’s com­mu­ni­ca­tions with his or her attor­ney may be searched, seized and con­fis­cat­ed, if they are not kept in the hands of the attor­ney. As absurd as this may sound in the year 2014, defen­dants are bet­ter advised to avoid emails and stick to per­son­al meet­ings at their attorney’s office.

The public prosecutor may access the defendant's correspondence with his or her attorney as long as it is not stored within the attorney's premises.

Zur Privilegierung der Anwaltskommunikation mit seinem Mandanten im Strafverfahren

Jüngst nahmen österreichische Strafverfolgungsbehörden zum Thema der Privilegierung der Korrespondenz zwischen einem Verteidiger und seinem Mandaten im Strafverfahren Stellung.

Die anwaltliche Korrespondenz zu seinem Mandanten – ein fundamentales Grundrecht

Art 6 Abs 3 lit c EMRK räumt jedem Beschuldigten in einem Strafver­fahren das Grun­drecht ein, sich per­sön­lich oder durch einen Anwalt sein­er Wahl vertei­di­gen zu lassen. Eine uner­lässliche Voraus­set­zung um dieses fun­da­men­tale Recht effizient ausüben zu kön­nen ist, dass der Beschuldigte offen und uneingeschränkt mit seinem Vertei­di­ger über das Strafver­fahren und die ihm zur Last gelegte Tat kom­mu­nizieren kann. In ein­er Rei­he von Entschei­dun­gen anerkan­nte der EGMR daher, dass die Kom­mu­nika­tion zwis­chen einem Beschuldigten und seinem Vertei­di­ger einen beson­deren Schutz genießt.

Die öster­re­ichis­che Straf­prozes­sor­d­nung ver­ankert mit den §§ 157 Abs 1 Z 2 bzw  157 Abs 2 StPO diesen beson­dere Schutz der Anwalt­skom­mu­nika­tion im Strafver­fahren: Jed­er Anwalt kann eine Zeu­ge­naus­sage über jene Infor­ma­tio­nen, die ihm in sein­er Eigen­schaft als Vertei­di­ger eines Beschuldigten bekan­nt gewor­den sind, ver­weigern. Vom Aus­sagev­er­weigerungsrecht sind all jene Infor­ma­tio­nen erfasst, die dem Vertei­di­ger (i) direkt über den Man­dan­ten, (ii) durch eine dritte Per­son, oder (iii) auf eine son­stige Weise zugekom­men sind.

Damit diese Priv­i­legierung nicht aus­ge­höhlt wer­den kann, ver­bi­eten die §§ 144 und 157 Abs 2 StPO jegliche Umge­hung des Aus­sagev­er­weigerungsrechts. Unzuläs­sig ist es daher, dass Behör­den Schrift­stücke oder Doku­mente des Anwaltes beschlagnah­men oder Angestellte des Anwaltes zu The­menkom­plex­en befra­gen, die vom Aus­sagev­er­weigerungsrecht des Anwaltes erfasst sind. Die durch Umge­hung des Aus­sagev­er­weigerungsrechts gewonnenen Infor­ma­tio­nen kön­nen im Ver­fahren bei son­stiger Nichtigkeit nicht ver­wen­det wer­den.

Ein Grundrecht nur für Verteidiger?

Im Gegen­satz zu der in Deutsch­land vorherrschen­den Mei­n­ung, vertreten die öster­re­ichis­chen Strafver­fol­gungs­be­hör­den, dass sich nur der Vertei­di­ger selb­st auf das Aus­sagev­er­weigerungsrecht stützen kann. In der Kon­se­quenz bedeutet diese Auf­fas­sung, dass der Beschuldigte oder ein Drit­ter nicht von dem Schutz der §§ 144 und 157 StPO prof­i­tieren würde. Auf Schrift­stücke bzw Kor­re­spon­denz, die sich nicht in den Hän­den des Anwaltes befind­en, son­dern der Bschuldigte oder ein Drit­ter bspw im E-Mail Account oder in Akten ver­wahrt, kön­nten Strafver­fol­gungs­be­hör­den unge­hin­dert zugreifen, diese Doku­mente beschlagnah­men und im Prozess ver­w­erten.

Die Strafver­fol­gungs­be­hör­den sehen ihre restrik­tive Ausle­gung als mit Art 8 EMRK kon­form an. Art 8 EMRK bewirke näm­lich keinen absoluten Schutz der Kom­mu­nika­tion eines Anwaltes mit seinem Man­dan­ten. Vielmehr kön­nten staatliche Zugriffe dann erfol­gen, wenn dies “in ein­er demokratis­chen Gesellschaft notwendig” und der Ein­griff geset­zlich gedeckt sei.

Diese restrik­tive Auf­fas­sung stößt jedoch auf Wider­spruch. Bedeu­tende Lit­er­aturstim­men fol­gen der deutschen Auf­fas­sung, wonach die Anwalt­skom­mu­nika­tion gegen staatliche Ein­griffe weit­ge­hend immu­nisiert ist. Deutsche Gerichte judizieren in ständi­ger Recht­sprechung ein absolutes Ver­bot der Beschlagnah­mung von Doku­menten, die der Vertei­di­gung dienen (inkl Doku­mente des Beschuldigten selb­st bzw Doku­mente die dazu dienen, die Man­datierung des Vertei­di­gers vorzu­bere­it­en), unab­hängig davon in wessen Besitz sie sich befind­en.

Zusammenfassung und Ausblick

Bis­lang bleibt offen, ob die öster­re­ichis­chen Gerichte der restrik­tiv­en Ausle­gung der Strafver­fol­gungs­be­hör­den fol­gen wer­den. Derzeit beste­ht die Gefahr, dass Behör­den auf Doku­mente zugreifen und diese beschlagnah­men, wenn sie sich nicht in den Hän­den des Anwaltes, son­dern beim Man­dan­ten befind­en. Mag es auch im Jahr 2014 abwegig erscheinen, so soll­ten Beschuldigte aus diesem Grund die Kom­mu­nika­tion mit ihrem Vertei­di­ger via E-Mail mei­den. Beschuldigte sind bess­er berat­en, die Prozessstrate­gie in per­sön­lichen Tre­f­fen mit dem Anwalt zu besprechen.

Nach Auffassung der Strafverfolgungsbehörden können anwaltliche Dokumente und Korrespondenzen des Beschuldigten mit seinem Verteidiger beschlagnahmt werden, solange sie sich nicht in den Händen des Anwaltes befinden.